Die Straßenfeger-Edition Inhalt: Die deutschen Straßenfeger erhielten ihren Namen durch ihre unwiederholbare Wirkung. Während der Sendezeit waren die Straßen wie leergefegt, es gab eine Sehbeteiligung von um die 90% mit durchschnittlich 8 Mann pro Fernseher.
Erzähltechnik: Die ersten Serien packen ihre Geschichten in Häppchen von 6 Teilen à 30 Minuten. Dadurch konnten die Cliffhanger sehr effektiv gesetzt werden. Erst ab den "Schlüsseln" setzten sich die Dreiteiler a anderthalb Stunden durch. Bei den englischen Originalfilmen wurde live gesendet, bei den deutschen Produktionen drehte man mit mehreren Kameras synchron, zwischen denen während des Drehs hin- und herschaltete. Somit dauerte der normale Take 30 Minuten ohne Unterbrechung. Somit sieht der Zuschauer heute tatsächlich ein und dieselbe Vorstellung - auch wenn zwischen Gesichtern hin und hergeschnitten wird.
Auswahl und Qualität der Schauspieler:
Geräuscheinsatz:
Musikeinsatz:
Gesamteindruck und Fazit:
Paul Temple (WDR 1951-1967)
Inhalt: Die deutsche Hörspielserie um Paul Temple und seine Frau Steve, die der WDR in den 50er und 60er Jahren produzierte erlebte in den letzten Jahren ein erstaunliches Comeback. Das ist kein Wunder, denn die jeweils mehrstündigen Hörspiele, die Paul Temple meistens zusammen mit Inspektor Forbes löst sind eine spannende Kriminalgeschichten zum Mitraten, in der es von Verdächtigen, Motiven, ungewöhnlichen Wendungen und – Durbridges’ Markenzeichen: extremen Cliffhangern nur so wimmelt.
Da die Hörspiele durch die große Menge an Verdächtigen immer etwas unübersichtlich werden habe ich in jeder Kritik eine sortierte Personenliste angelegt um den Überblick zu vereinfachen.
Erzähltechnik: Die Serie kommt gänzlich ohne Erzähler aus. Das verdankt sie zu einem Großteil den Sprechern, wie auch den speziellen Geräuscheffekten und in einzelnen Momenten dem Drehbuch, das erklärende Informationen den handelnden Personen in den Mund legt („Legen Sie den Revolver weg!“). Den ganz eigenen Charme erhält die Serie durch die Einblicke in das Alltagsleben der Temples, in all diese kleinen ‚privaten’ Momente, in denen das gegenseitige Gefrotzel und Gezanke zu Hochformen aufläuft, wenn Pauls Ironie süffisant, wenngleich liebevoll auf Steves überzogen zuckersüße Neckereien trifft. Man hat beinahe das Gefühl bei den Temples auf dem Sofa zu sitzen. Ungewöhnlich ist die große Zeit, die man sich hier beim Entwickeln von Situationen läßt, diese Technik sorgt jedoch für eine ganz eigene Spannung. Dabei wirken einige der Wendungen (je nach persönlicher Einstellung: ) altmodisch bzw. unglaubwürdig. Wer aber die ganz eigene Logik von schwarzweißen Kriminalfilmen mag ist hiermit genau richtig bedient.
Auswahl und Qualität der Sprecher: Grundsätzlich erstaunt die große Glaubwürdigkeit gerade der beiläufigen, bzw. gespielt „spontanen“ Momente. Da wirkt nichts rezitiert oder abgelesen. René Deltgens prägnante Stimme zeigt eine enorme Stimmungsvielfalt, knurrt und schnurrt, schreit und flüstert – und bleibt vor allem durchgehend glaubhaft. In 6 von 10 Fällen spricht Annemarie Cordes seine Vorahnungen habende Frau Steve und gibt wohl den besten Gegenpart - aber auch die anderen Sprecherinnen können überzeugen. Charlie, der Diener der beiden läßt sich partout sein "Okay!" von den Temples nicht abgewöhnen - und Kurt Lieck hat als ruhiger Vertreter von Scotland Yard eine sonore Stimme, die bei jedem Wiederhören an vertraute Freundschaft erinnert.
Geräuscheinsatz: Der Ton ist trotz der 50 Jahre sauber und rauschfrei. Die Geräusche kommen nicht etwa aus Tonarchiven, sondern wurden zum größten Teil bei den Aufnahmen live produziert. Da rappelt dann schon mal die Box, wenn ein Auto in die Luft fliegt, oder plötzlich Schüsse durch Fensterscheiben pfeifen.
Musikeinsatz: Die Musik von Hans Jönsson wechselt üblicherweise situationsangepasst zwischen rauchigen Nummern und aggressiven Bläsereinwürfen. Das Thema bohrt sich schon nach kurzer Zeit in die Ohren.
Gesamteindruck und Fazit: Die Paul Temple-Hörspiele sind packende Unterhaltung mit Kultstatus. Manche Kritiker witzeln über das "altmodische Geschlechterbild" - scheinen aber meiner Meinung nach lediglich ihre eigene Vorstellung in die Hörspiele zurückzuprojizieren. Denn auch wenn Steve Temple manchmal etwas zu überselbstbewußt ist, oder gerade durch ihre weiblichen Vorlieben für Hüte und Kleider in Fällen weiterhelfen kann - im Endeffekt wird sie als Figur präsentiert, die manchmal Fehler macht - und manchmal im Gegensatz zu den 'offiziellen' Ermittlern instinktiv Recht hat. Und die ganz speziellen privaten Dialoge zeigen eine charmante Art von Zärtlichkeit und eben keine abwertende Haltung. - Wenn da mal in Anwesenheit Dritter ein markiger Spruch von Paul Temple fällt, dann darf man nicht vergessen dass Steve durchaus weiß wie sie diese parieren soll.
Allerdings sind die Hörspiele keinesfalls als Hintergrundsberieselung geeignet. Verpasst man auch nur ein paar Minuten läuft man Gefahr entscheindendes zu verpassen. Die Spannung erreicht Höchstwerte, die Geräusche und Sprecher holen aus dem Plot alles heraus und sorgen somit für unglaubliche Stunden voller Spannnung und Amüsement.