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Helden

20.8.10 02:16


Earl Kaufmann - Mission gegen Haß ohne Sozialpädagogenklischee

"Eines Tages wachte ich auf und stellte fest, wer ich war" [Scary Guy auf black-dimension.de]

Neulich bei der Arbeit stand ich ein paar Minuten mit einem Securitymitarbeiter zusammen in der Eingangshalle und wir redeten über das Leben, das Universum und den Rest.

Und da erzählt er mir die Geschichte eines Mannes, der eines Tages mit seinem Vater so zerstritten war, dass er von zu Hause losging und unterwegs zur Schule einen Busfahrer ansprach. "Kannst Du mein Vater sein?" fragte er. Der Busfahrer fand das alle sehr befremdlich, hörte aber zu uns ließ sich alles erklären. (Und bestand, so meine Logik, damit die eigentliche Prüfung) Und dann meinte er, wenn es das wäre, was der junge Mann wolle, dann wolle er gern dessen Vater sein.

Jahre vergingen und eines Tages starb der alte Busfahrer. Und da stellte sich heraus dass in seinem letzten Willen der Wunsch vermerkt war, dass der junge Mann, "mein Sohn" die Grabrede halten solle. "Es sind alles nur Funktionen" bemerkt der Securitymann und sieht mich dezent weise an. Ich bin selbst heute noch ein wenig skeptisch, ob das so einfach ist. Man übersieht zu gern die Verletzungen, die tatsächlich stattfinden. Aber der Mann an sich hat mich fasziniert. Und ich habe ein bißchen recherchiert.

„Ein Beispiel: Bloß weil ich eine Speise sehe, muss ich sie noch lange nicht essen. Oder: Wenn ich ein Schlachtermesser in der Hand hätte, würdest du zulassen, dass ich es dir ins Bein stoße? Ganz sicher nicht. Dasselbe gilt für Worte.

Ich muss es nicht annehmen, wenn jemand etwas Schlimmes über mich sagt. Dann brauche ich auch nicht wütend sein, verletzt oder traurig. Der erste Schritt, etwas zu verändern, ist: Man muss sich darüber klar werden, wie man selbst mit den Worten anderer umgeht.“
[echo-online]

Der junge Mann heißt Earl Kaufmann und ist inzwischen ein erwachsener Mann. Er hatte Jobs als Babyfotograf und als Computerverkäufer. Als er dreißig war ließ er sich sein erstes Tatoo stechen - einen Tag später das Zweite und heute ist sein ganzer Körper von bunten Bildern bedeckt. Er ist jetzt bekannt als "Scary Guy" ud reist in ungewöhnlicher Mission: Er besucht Schlen, Polizisten, Soldaten - und lehrt den Umgang mit Hass, bzw. genauer: wie man den Hass aufgibt. Er hat, wie's scheint die verlockende Taktik des "Aber die anderen... ich doch nicht" durchschaut und durchbrochen.

„Erwachsene hören oft gar nicht gern, was ich sage“, sagt er, grinst und lässt dabei seine goldenen Zähne blitzen. Dazu zählt auch Scarys Einschätzung, dass es keine schlechten Jugendlichen gibt: „Es gibt nur schlechtes Verhalten. Damit wird niemand geboren, die Kinder lernen es erst. Und von wem lernen sie es? Wenn ich einen Erwachsenen das frage, bekomme ich oft Schweigen als Antwort.“ [Echo online]

Mit einfachen Sätzen und klarer Logik, die nichts verstecken kann, weil sie zu dünnwandig ist, weil sie offen konstruiert ist, gemacht um dem anderen Vertrauen zu ermöglichen schafft der Scary Guy es dann auch, dass die "harten Jungs" plötzlich Schlange stehen um ihn zu umarmen...

Ich werd mal weiter die Augen nach ihm aufhalten.

Links zu Earl Kaufman / The Scary Guy
- thescaryguy.com
- myspace/scaryguy
- Interview auf black-dimension.de
- Bericht über Jugendarbeit mit dem Scary Guy auf echo-online.de
9.1.08 11:48


Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht.

Günther Wallraff (TG-Artikel) ist einer meiner persönlichen Helden. Einige Zitate aus der Wikipedia bringen mich gerade zum Schmunzeln:

"22 Jahre nach 'Ganz unten' schlüpfte Wallraff erneut in eine fremde Rolle: Das Ende Mai 2007 wiederbelebte Zeit-Magazin Leben startete mit seiner Reportage über die illegalen Verkaufstricks der Call-Center-Branche. Da diese keine „älteren Leute“ einstellt, nahm Wallraff mithilfe eines Maskenbildners die Identität eines 16 Jahre jüngeren Mannes an."

"Moscheen-Lesung [...]
Nach dem 14. Februar 1989, dem Tag der Todes-Fatwa des damaligen iranische Staatschefs Khomeini gegen den britischen Schriftsteller Salman Rushdie, hielt sich dieser bei Wallraff für einige Tage versteckt. Er steht seit dem 24. September 2007 wegen Todesdrohungen fanatischer Islamisten unter Polizeischutz. Am gleichen Tag stellte der Verband Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion fest, dass es nicht möglich ist, in den Räumen der DITIB-Zentralmoschee Köln, nicht einmal auf dem Moschee-Gelände, aus den Satanischen Versen Salman Rushdies zu lesen, wie es der Schriftsteller Günter Wallraff geplant hatte. Der Verband wirft Wallraff Kompromisslosigkeit und mangelndes Verständnis für die religiösen Gefühle und Belange der muslimischen Gemeindemitglieder vor.[...]"


"Für den Recherchestil verwendet man in Schweden das eigene Verb „wallraffa“, das sogar in die aktuelle Ausgabe der
Wortliste der Schwedischen Akademie aufgenommen wurde."


[Quelle: wikipedia]

edit 04.03.08: Wie sinnvoll es sein mag die Lesung in der Moschee tatschlich stattfinden zu lassen sei mal dahingestellt. Bei zweitem Gedanken bin ich dann doch irritiert und halte es für relativ dumm. Hagen Rethers Jahresrückblick hat mir Augen geöffnet...
21.12.07 08:36


Wenn Dichter reisen

Samuel Taylor Coleridge (1772-1834) ist einer meiner literarischen Helden, obwohl ich bisher nur wenig von ihm lesen konnte. Aber ich kenne seine Hauptgedichte, vom alten Seeman der einem jungen Bräutigam von seinen haarsträubenden Abenteuern erzählt (diese Ballade war neben anderem Werken Grundlage zu meinem Neuland), von Xanadu, dem Hauptsitz des Kublai-Khan, das verstörende Fragment von der mysteriös-erotischen Christabel, die im Wald gefunden schon bald ihren Rettern zu schaden beginnt - und einige Gedichte in denen er seine Ängste und seine Hoffnungen nicht nur "in Verse packt" sondern mit feinem Gespür nahezu zärtlich feingearbeitet hat.

Mich fasziniert diese Person, ein englischer Pfarrersohn, der sich mit Religion, mit der Liebe, mit Mythen und der Naturwissenschaft auseinandersetzt, und dabei aber nahe am Leben bleibt anstatt idealitisch "abzuheben".

1798 macht Coleridge mit seinem Freund William Wordsworth (mit dem er die englische Romantik n der Literatur begründete) eine Reise nach Deutschland um dort Geistesgrößen wie Schlegel, Schelling, Lessing, Kant und Schiller zu studieren. Auch dort führt er sein "Tagebuch", das er sein Leben lang nutzt - und das in großen Strecken genau den Zweck eines Weblogs erfüllt. Dort finde ich dann folgenden Eintrag, der mich grinsen läßt, weil ich daran denke, von welchen Geistesgrößen hier so "nebenbei" und menschlich berichtet wird...

"We arrived at Cuxhaven this morning at eleven o'clock, after an unusually fine passage of only 48 hours - / Chester was ill the Whole time - Wordsworth shockingly ill! - Miss Wordsworth worst of all - vomiting & groaning & crying the whole time!"

"Heute morgen um elf Uhr erreichten wir Cuxhaven nach einer ungewöhnlich guten Überfahrt von nur 48 Stunden - / Chester war die Ganze Zeit krank - Wordsworth erschreckend krank! - Miss Wordsworth war am schlimmsten dran - die ganze Zeit brechend & stöhnend & weinend!"

- Coleridge-Archive
- Coleridge im Gutenberg-Archiv
- Colerdige über Köln (Tobias-Gedanken)

edit 04.03.08: Mir fällt erst jetzt auf, dass beide Artikel über Colerdige die gleiche Überschrift haben.
30.10.07 14:57





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