25. Juni: Abfahrt von Grube 9 Uhr Morgens, in Hamburg 6 Uhr etwa. Das Überfahren eines Pferdes bei Lübeck ohne Entgleisung. [...] 15. Oktober: Am Morgen starker Schneefall. Noch nie so früh erlebt. [...] 7. Dezember: Sonntag 4. Dezember befiel mich etwas, wie Nierenstein-Kolik, behielt bis jetzt eine arbeitsunfähig machende Schwäche - Heut ging ein Nierenstein ab, etwas größer, als früher. [...] 13./14. Dezember: Bei Eckermann's in Heide zum Klub. Sehr behaglich. Gute Weihnachtseinkäufe. [Theodor Storm, Braunes Taschenbuch. 1887, zit. in: - Theodor Storm, Sämtliche Werke in vier Bänden, Herausgegeben von Karl Ernst Laage und Dieter Lohmeier, Frankfurt a.M. 1988, 555-559.]
Wenn man das Datum nicht wüßte könnte man fast meinen, es wäre frisch gebloggt.
"Die wohl frappierendste Schlagzeile der letzten Zeit lautete: 'Menschliche Samenzellen von Ratten'. Sie handelte davon, daß es einem in Japan forschenden griechischen Wissenschaftler nach eigenen ANgaben erstmals gelungen war, Ratten und Mäuse zur Produktion menschlicher Samenzellen anzuregen. Im Verlauf der Meldung heißt es: 'Der Wissenschaftler räumte indirekt ein, daß es noch nicht klar sei, wozu seine Entdeckung zu gebrauchen sein werde. Es bedürfe noch langer Forschungsarbeit, bevor fesrtstehe, ob das Sperma aus Nagerhoden tatsächlich zur Zeugung gesunder Menschen geeignet sei.'. Der Artikel schließt mit der Feststellung: 'Es entziehe sich dem Urteil der Wissenschaftler, wie die Gesellschaft auf derartige Experimente reagiere'. Immerhin räumt der beteiligt Wissenschaftler ein: 'Die Verwendung von Sperma aus Tieren würde sicher bei vielen Menschen emotionale Konflikte hervorrufen, mich eingeschlossen'." [Christoph Fuchs und Stefan F. Winter, Menschenbild und Menschenwürde in der mediztinischen Forschung und Klinik, in: Eilert Herms (Hrsg.), Menschenbild und Menschenwürde, Gütersloh 2001, 34f.]
Seit Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre war die Generation der damals knapp oder gut Dreißigjährigen in die Verantwortung eingerückt, eine Generation, die noch ganz anders als die Generation ihrer Väter - nämlich von klein auf - durch das persönliche Erleben des Nationalsozialismus geprägt war. Jene Vätergenerationen - soweit sie im Widerstand gegen die Diktatur gestanden hatte und von den Siegermächten mit der Neuordnung der Verhältnisse in Deutschland beauftragt worden war - hatte die Fundamente der deutschen Nachkriegsordnung durch einen - rückblickend manch einem restaurativ erscheinenden - Brückenschlag zu den 1933 abgebrochenen Traditionen gelegt. Demgegenüber machte der Reformimpuls, der ruckartig seit Beginn der 60er Jahe von der Generation der damals Dreißigjährigen ausging und sofort auf breiter Front spürbar wurde, deutolich, daß für sie das Gesetz und die Forderung der Gegenwart nicht mehr in erster Linie lautete: Besinnung auf das Bewährte und seine Neuaneignung, sondern zuerst und zuletzt: Modernisierung, frei von jeder Bevormundung durch die Autorität von überlieferten insitutionoellen und weltanschaulichen Vorgaben allein auf dem aufgeklärten Boden von Erfahrung und Vernunft, und zwar in jedem Streitfall wissenschaftlicher Erfahrung und wissenschaftlicher Vernunft." [Vorwort von Eilert Herms, in: ders. (Hrsg.) Menschenbild und Menschenwürde, Gütersloh 2001, 9f.]
Aus einem ganz anderen Kontext - aber: Umreißt das nicht ansatzweise den Diskussionskern von Frau Hermann bei Kerner?
Alles künstlerische Gestalten ist ein Bekennen. Je ernster es der Künstler mit seinem Beruf meint, umso klarer wird sein Werk Kunde geben von seinem inneren Leben. Und dieses Stück Seele, das in jedem Kunstwerk liegt, den Menschen gilt es zu erfassen, wenn man die Werke voll verstehen will, dann das bedeutet ja, sie erkennen als notwendie, einheitliche Äußerungen einer bestimmt gearteten Persönlichkeit. Gerade eine Untersuchung über die Art, wie ein Dichter tragische Probleme gestaltet, wird diesen Zusammenhang zwischen dem Werk und seinem Schöpfer mit besonderer Schärfe zum Bewußtsein bringen müssen, denn nirgends äußert sich der ganze Mensch so in seiner Tiefe, wie hier. Dem Weltganzen, den letzten Rätseln des Seins steht der Dichter hier gegenüber, die Frage nach der Gestaltung des Tragischen erweitert sich zu der nach seiner gesamten Welt- und Lebensanschauung überhaupt." [Enno Krey, Das Tragische bei Theodor Storm, Marburg a.L. 1914, 2.]
Fiel es ihm schwer, jene unsichtbare und unmessbare Substanz zurückgegeben, die zwischen den Menschen hin und her fließt?
Gab es Menschen, die keine Begabung für die Liebe hatten, so wie andere nicht singen, tanzen oder einen Teller auf einem Stock balancieren konnten?
Vielleicht lag das an irgendeinem katastrophalen Ereignis im Leben. An einer Kälte des Herzens. Vielleicht waren es Menschen, denen diese kostbare Substanz irgendwann entzogen worden war. Die sie weder geben noch annehmen konnten.
War die Liebe denn nur ein Zeichen von Unsicherheit? Eine Art Selbstschutz oder eine menschliche Investition, die man in Filmen und Büchern als Tugend verkleidete?
An der Uni war Mara von Dichtern und Revolutionären erzählt worden, dass bedingungslose Liebe ein Mythos sei. Genau wie die verlorene Hälfte eines Tee-Sets, Säbelzahntiger oder Major Tom, der im Weltraum davontrieb.
Doch ohne Liebe konnte man ebenso wenig leben wie ohne zu atmen oder zu trinken, ein solches Leben würde dem Versuch gleichen, auf einem lieblosen Planten ohne Bäume zu überleben. [Hugo Hamilton, Legenden, München 2008, 162f. Absätze von mir.]