Gestern wars endlich soweit. nachdem das Konzert in Bonn damals leider abgesagt werden mußte, konnte ich (wie angekündigt) gestern dann mein erstes Mr. Irish-Bastard-Konzert erleben. Im letzten Jahr waren sie Celtic Folk-Rock & -Punk Band aus Deutschland des Jahres geworden. Und ich war enorm gespannt.
Um Acht war Einlaß, ich genoß den Luxus, auf der Gästeliste zu stehen und spazierte die Treppe herab in die schmalgeschnittene Location. Drei Jahre zuvor hatte ich den Laden ein paarmal von innen gesehen - und es hatte sich nichts verändert. Lady Lily fand ich auch recht schnell, mehr als die Hälfte der Gespräche war nicht konzertrelevant - aber ich erfuhr auch, dass das das dritte Konzert in Folge war, dass die neue CD schon im Vorverkauf erhältlich war und dass der Gitarrist für dieses Konzert ersetzt werden mußte.
Um neun war dann Konzertbeginn. Da MIB nur als Vorgruppe zu den Levellers fungierten spielten sie leider nur (gnadenlos eingehaltene) 40 Minuten. Die wären -nach eigenem Bekunden- noch steigerungsfähig gewesen, hinterließen aber großen Eindruck. Auf die Frage des Frontmans wer denn für den Hauptact da sei meldeten sich weniger als ein Drittel. Amüsement im Publikum. (Vielleicht hätte er aber auch auf Englisch fragen sollen.)
Ich hing die ganze Zeit mit dem rechten Ohr zwei Meter vor einer Box, weil ich mir ja in den Kopf gesetzt hatte unbedingt Fotos zu machen - mit einer Kamera deren Funktionsweise in dunklen Räumen mir noch unbekannt war. Das Musikerlebnis ist schwer beschreibbar - man hat das Gefühl an einem einstündigen Endspurt teilzunehmen. Der nur mit einer Neoprenbadehose bekleidete Drummer steigerte den Drive bis an die Grenzen, gab den Stücken eine adrenalingehetzte Grundierung, der Bassist nutzte den beengten Raum noch für Sprünge und Ausfallschritte und ließ sich entsprechend schwer fotografieren. Der Mr. Irish Bastard himself blödelte sich durch ein paar Moderationen, und konnte die Zuschauer mitreißen und etwas näher an die Bühne locken. Die Flöte spielte oft sehr eingängige Melodien, die aber von der Gesangsstimme faszinierenderweise vollkommen unabhängig waren. Das Akkordeon ging leider oftmals in der Abmischung etwas unter, das Banjo hingegen fügte sich wunderbar in das Hörerlebnis ein. Die Musik kommt mit einer sehr frischen "Hoppla, jetzt komm ich"-Haltung daher, und einem schnodderigen Grundton. Es klingt tatsächlich nach irischer Kneipe - aber eben nicht mit schnulzigem "Greensleaves"-Gedudel, sondern mit Guiness, Groll und Gelächter. Dreckigem vornehmlich. Und in sich ist das Konzept so stimmig, dass es einfach nur eine Riesenfreude macht, zuzuhören.
Die Zeit des Leveller-Konzertes danach verbrachte ich mit Lady Lily am Fanshop-Stand und empfand aus dieser sicheren Entfernung die Musik als relativ 'ungefährlich', aber auch sowohl sehr viel traditionsbetonter als auch irgendwie langsamer, langatmiger - und für meinen persönlichen Geschmack: tatsächlich langweiliger. Eben der vorher bei MIB genossene Drive hatte die Hörerwartung zu sehr nach oben gepusht.
Überwältigend war das breite Angebot an Fanartikeln. Staunend stand ich vor verschiedensten T-Shirts, inzwischen drei CDs (zwei Alben und eine Irish-Punk-Compilation), Kappen, Aufnähern und Buttons, aber auch Gläsern, Flachmännern und Hosenträgern (!). Ähnlich überrascht und begeistert war ich, als ich von Fanclubmitgliedern erfuhr, die bespielsweise aus Frankfurt zu jedem halbwegs erreichbaren Konzert anreisten - noch getoppt durch Fans aus der Schweiz, die sich für die CD-Veröffentlichungsparty in Münster schon angekündigt hatten.
Insgesamt bleibt ein wunderbarer Eindruck von schneller, mitreißender Musik, einer überzeugend aufeinander abgestimmten Band und der Wunsch nach mehr.
Wunderbar dass es die CD-Release-Party am 29.2.08 in Münsters legendärem Gleis 22 gibt. Ich übe bis dahin noch mit meiner Digicam und freue mich auf anderthalb Stunden ungebremsten Spaß.
Mr. Irish Bastard spielen live in meiner Nähe - und das gleich zweimal. Und da die einzige Frau bei denen seit über 7 Jahren meine musikalisch beste Freundin ist muß ich da jetzt natürlich auch endlich und unbedingt mal hin.
Meine Konzertvorlieben sind bei sowas ja sehr speziell und flexibel zugleich. Ich mag nicht für viel Geld in einem Konzert sitzen, und dann nichtmals sonderlich nah an die Band ran kommen. Aber so Konzerte, wie ich sie aus Münster kenne, einfach ein Gig mit nem Raum und mit ein bißchen Glück mal Sitzplätzen, sonst aber gerne auch zwei Stunden zum Durchstehen - sowas lieb ich. Und dann kann es alles sein von HipHop bis Jazz, von gutem schwerem Rock bis zu synkopierten Rhythmen - oder eben auch mal irischen Punkrock. Und dann (aber auch nur dann) muß die Musik aus den Bässen wummern, dann kann es laut sein - das macht mich dann nicht nervös. Weil ich die Band kenne, weil ich die Musik genauso und genau dann liebe und mich hineinfallen lasse.Und alles ist gut.
Fragt sich nur noch eins: Kennt wer 'nen Laden mit Groupie-Bedarf? =)
auch zu sehen am 10.1.08 in Bonn (Evolution Club) und am 19.2.08 in Köln (MTC). Und dann natürlich noch die CD-Release-Party am 29.2.08 in Münsters legendärem Gleis 22