Tobias' Gedanken

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- Texte

Aus den Tobias-Akten

- Wenn meine evangelische Frau/Mutter mir katholischem Mann/Sohn anbieten würde mal in einen evangelischen Gottesdienst zu gehen würde schon mitgehen, denn es ist mir nicht verboten. Religionsfreiheit
- Ich würde wenn ich als Kind nicht getauft worden bin mich über alle (!) Konfessionen dieser Erde informieren und dann entscheiden ob ich mich taufen lasse. Wenn ja dann in welcher Religion, wenn nein dann nein. Denn - was bringt eine Religion? Neue Verantwortung und sonst meiner Meinung nach nichts.
- Wenn meine Evangelische Mutter erkrankt würde ich als katholischer Sohn auch nach der Firmung für meine Mutter sammeln, egal ob erlaubt oder nicht. Mutter bleibt Mutter.
[Religionsheft 6. Klasse 1990/91

7.4.10 13:55


Versprochen

"Sie werden jetzt bald sechzig" begann Kehrmann und schubste mit der Schuhspitze einen kleinen Stein von der Rasenfläche. "Meinen Sie denn, dass Sie die Belastung noch lange durchhalten?"

"Keine Sorge." beschwichtigte Totengräber Tiefenkuhl. "Ich kann graben wie ein Schweig."

Nachdem er seinen Versprecher bemerkte traten ihm Lachtränen in die Augenfältchen - und er kippte wiehernd in die offene Grube.
19.1.10 11:00


Die letzten Worte vor dem Massaker...

Sie: Ich bring doch nicht wen um, bloß weil der eine andere Meinung hat wie ich!

Er: Es heißt "als".
7.12.09 17:32


Tagebuch Aachen 09, Teil III - 'erste Stadtrunde'

Nur wenige Minuten nachdem wir die Koffer abgestellt haben brechen wir auch schon auf. Nach Rumgammeln ist uns nämlich irgendwie gar nicht - beiden scheint die Zeit dafür zu schade und die Neugierde zu groß zu sein. Wie zwei große Eroberer und Entdecker ohne spezielles Ziel zieht es uns in die Stadt.

So stehen wir also dann kurz darauf mit Blick nach Westen auf der Vaalser Straße - um festzustellen, dass zwar die Straße noch da - aber die meisten Geschäfte verschwunden sind. Das ist nicht allzu verwunderlich, nach knappen dreißig Jahren - aber dennoch seltsam. Wir brauchen doch nur ein paar Lebensmittel fürs Frühstück - und ein paar Flaschen Wasser... Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch gar nicht realisiert, wie nahe das Haus meiner Großeltern steht - aber Mama kann umso sicherer sagen, dass es die Straße weiter runter kaum noch Geschäfte geben wird. So gehen wir die Straße nun in der Gegenrichtung weiter und folgen dann der Jakobsstraße.

Unterwegs dann der erste legendäre Moment. Bevor wir gar kein Wasser finden schlage ich vor, dass wir einfach im nächsten Kiosk eine Flasche Wasser holen. Ein nicht dumer Gedanke - bis der freundliche junge Mann den Preis nennt - und meiner Mama ein entsetzter Ausdruck ihres Unmutes entfährt. "Was? Ein Euro fünfundreißig für so eine kleine Flasche?" Tatsächlich hat die Flasche 0,2 Liter und selbst mich wunderts ein wenig - aber zugleich stelle ich erstaunt fest, dass meine Mutter keine Kisok-Preise kennt. Der Verkäufer vereist auf das Pfand - aber auch das kann die Erschütterung nicht beseitigen. In den nächsten Tagen wird das "verfluchte Fläschchen" immer wieder neu abgefüllt mitgeschleppt - und regelmäßig zwinkernd beschimpft werden...

Kurz darauf kommt die legendäre Eisenbahnbrücke in Sicht. Jeden Morgen wenn meine kleine Mama damals zum Gymnasium ging die selber Sorge: Was wenn die Brücke genau dann einstürzt, wenn ich drunter stehe? Kommt da jetzt gleich ein Zug angefahren? - Und fast ein halbes Jahrhundert später blitzt meine Mama mich schelmisch an und sagt: "Soll ich Dir mal zeigen, wie ich hier früher gelaufen bin?" - und kurz darauf schleichen wir zu zweit uns an die Brücke heran (und man kann tatsächlich nicht sehen, ob ein Zug ankommt oder nicht), rennen wie die Bekloppten unter der Brücke durch und bleiben dahinter lachend stehen. Und ignorieren potentielle Zuschauer...

Day 259 - Mom's school...Danach spazieren wir den Löhergraben runter und biegen dann in die ein wenig versteckt liegende Jesuitenstraße ein, die zwischen einigen Gebäuden (Annaschule) hindurchführt und dann auf der linken ein Parkhaus und auf der rechten das Leonhardgymnasium, das meine Mutter vor über 40 Jahren besucht hat. Früher war statt des Parkauses ein großer Parkplatz da, erzählt Mama, und manchmal fand man damals quer über den Parkplatz verstreut angebrannte Ergebnisse des Hauswirtschaftskundeunterrichts. Denn die Lehrerin war ziemlich streng - und der Spaß dazu natürlich noch umso größer.

Und so stehe ich, und fotografiere das erste Mal meine Mutter wie sie in ein Gebäude hineinlinst, das sie von früher kennt - und muß bereits ein wenig lächeln. Denn interessant wird das ganze ja erst, wenn man es ein wenig wirken läßt. Denn dann kann ich meine kleine Mama sehen, wie sie auf dem Schulweg nur zögerlich vorankommt - oder aber eben mit Schulfreundinnen zusammen den größten Blödsinn ausheckt. Dann ist sie Jahrzehnte jünger und auch die Stadt sieht etwsa anders aus. Und dann atmet man tatsächlich Zeit. Ein seltsames Gefühl. Ein wenig tief, ein wenig wahr - und ein wenig beruhigend. Und plötzlich ist mein eigenes Leben nur ein Teil einer größeren Geschichte. Und das beruhigt seltsamerweise sehr.

Kurze Zeit später kaufen wir dann in der Kleinmarschierstraße die ersten Postkarten, spazieren zum Dom - und lasen uns ersteinmal auf dem Münsterplatz in einem Straßencafe nieder und trinken Kaffee und Kakao.

Ebenfalls am Münsterplatz finden wir einen urigen kleinen Süßwarenladen - und Mama kauft etwas "Manna" ein - das überzuegt mich aber geschmacklich so gar nicht und erleichtert stelle ich fest, dass Mama auch ein wenig meckern möchte. Anscheinend schmeckts nicht mehr so gutt wie früher einmal.

silent talkingWir umrunden einen Teil des Doms, spazieren an St. Foillan vorbei und ich sehe zum ersten Mal den Puppenbrunnen. Eine ganz wunderbare Erfindung: alle dargestellten Figuren sind mit beweglichen Gelenken versehen, so dass man sie in alle erdenklichen Haltungen und Bewegungen bringen kann - und immer wieder sieht man nicht nur Kinder sondern auch Erwachsene stehen bleiben und ein wenig hin und herruckeln - und so hat der Brunnen immer wieder eine neue Gestalt, bleibt nicht gleich sondern im Fluß. Ein wunderbares Spielzeug!

Wir spazieren durch die Krämerstraße und Mama beginnt suchend sich umzusehen - am Markt angekommen steuert sie zurück und so spazieren wir über Büchel und Rethelstraße und sodann über den Hühnermarkt in die Körbergasse. Tatsächlich gibt es hier auch heute noch einen Laden der geflochtene Körbe verkauft - früher gab es allerdings anscheinend nichts anderes.

Wir spazieren linksherum in Richtung Büchel zurück und betreten das Café Van den Daele. Früher, so erzählt Mama, feierte man hier größere Feste - und an Karneval stand einmal ein Bekannter mit Gießkanne am Fenster über der Tür und 'segnete' alle die hineinwollten. Im Inneren ist es ein wenig dunkel - und verschiedenste Räume tun sich auf, sind durch alte Treppen miteinander verbunden - und ab und an gibt es kleine Nebenräumchen für kleinere Gruppen. Im Obergeschoß finden wir sie dann endlich: Die Printenmadonna, die mein Opa für Leo van Daele (den "Printenbaron") vor einem halben Jahrhundert hergestellt hat. Zwei verschiedene Varianten gibt es - eine aus Eisen - und eine die aus Holz zu sein scheint. Und beide sind spiegelverkehrt zueinander.

Einige Zeit später spazieren wir am Büchel am Bahkauv vorbei, das wir noch öfter sehen sollten, biegen in die Mefferdatisstraße ein - und endlich weiß ich wo sie war, die berüchtigte Antoniusstraße aus den Geschichten, in der die vielen netten "Tanten mit den Plätzchen" wohnten. Ich muß breit grinsen als ich die übersimensionale Werbewand sehe, auf der sich dekorativ eine digital bearbeitete Überfrau räkelt: Scheint als hätten die Plätzchentanten durchaus ein rentables Geschäft gehabt.

Linksherum geht es nun weiter in die Großkölnstraße - und wir passieren die drei Grazien, die ein Künstler vor Jahren mit ihren Regenschirmen aufgestellt hat. Wasser und einen Lebensmittelladen haben wir übrigens bisher nicht gefunden - aber der Plan hat sich irgendwann zwischendurch verselbstständigt.

The three ladiesKurz nach St. Nikolaus finden wir dann "Appelrath-Cüpper" - für das schon meine Großtante als Heimarbeiterin Kleider umgenäht hatte. Wir sehen uns kurz darin um - und natürlich ist es heute eine moderne Filiale - aber trotz allem lohnt sich der Moment gewissermaßen. Denn Mama verliebt sich in einen der ganz besonderen Mäntel dort: Vermutlich von Kunstdesignstudenten entworfen, aus vielen verschiedenen Stoffen zusammengestellt erinert er beinahe an Sam Hawkens Flickenrock - nur um einige Längen ästhetischer und hübscher - und sodann: Die Knopfleiste hat keinen einizgen doppelten Knopf - jeder einzelne ist auf ganz eigene Weise urig. - Nur der Preis stört, denn der geht über zweihundert Euro. Als Mama trotz allem in den Mantel zu schlüpfen versucht muß ich lächeln und erinnere mich daran, wie sie einmal erzählte, dass sie manchmal mit ihrer Mutter in viel zu teure Läden spazierte - einfach nur um zu sehen wie sie in überschicken Klamotten aussah. Währenddessen habe ich eine leise vor sich hin schimpfende Mama neben mir - denn die erwartete Größe passt nicht einmal ansatzweise. "Ich müßte doch eigentlich sogar noch einen Winterpulli drunterbekommen" stellt sie verwundert fest, als auch nach fünf Kleidergrößen weiter die Knöpfe nicht wirklich komplett schließen. Aber - wie das mit eigenwilligen Müttern in Zeitreisen so ist: Auch wenn der Mantel so gar nicht sitzen will ist das nur ein halber Trost für den unglaublichen Preis...

Danach spazieren wir über den Markt in die Pontstraße und kaufen ersteinmal Printen und ganz fabulös leckere Streuselbrötchen. Stimmt schon, am Niederrhein nennt man ein Brötchen so, wenn sich ein bis drei einzelne Streusel drauf befinden - hier besteht wirklich das ganze Gebäck aus einer Streuselsammlung.

RWTH - she became 40 years younger during that momentAm Ende der Pontstraße biegen wir nun linksherum in den Templergraben ein. Wir versuchen eine Pause unter einem Baum zu machen - und ich plane sogar mein Tagesfoto für mein 365-Tage-Projekt, muß stattdessen aber dem ungeplanten Tänzchen meiner Mutter beiwohnen, die von der Aachener Wespen erneut willkommen geheißen wird. Wir bleiben nicht lange, spazieren weiter und zum ersten Mal stehe ich vor der RWTH Aachen, an der mein Opa früher in der Gießerei arbeitete. Wir spazieren hinein, steigen die Treppen bis zum Saal hinauf - und sehen zwar wieder nicht viel - aber ein Gefühl und ein paar Erinnerungen sind trotzdem da. Und als ich sie die Treppe abwärts vorgehen lasse gelingt mir ein ganz wunderbares Foto, auf dem ich sie 40 Jahre jünger sehen kann. Nachdem Mama noch (exact nach meiner Vorhersage) zielsicher mit wenigen Klicks die Touchscreeninfo lahmgelegt hat spazieren wir wieder hinaus.

Über den Karlsgraben gelangen wir nun endlich zu einem Plus, wo wir uns übersichtlich mit Lebensmitteln eindecken. Inzwischen ist es ungefähr halb sechs. Wir spazieren über die Lochnerstraße und Junkerstraße zurück (hier gibt es noch einen alten Bunker) und dann über die Schanz zurück in die Wohnung, wo wir gerade die Einkäufe verstauen und dann schon wieder starten. Auf zum Abendessen beim Onkel...
3.9.09 22:28


Tagebuch Aachen 09, Teil II - "Ankunft"

06.08.09 - ab 11:00 Uhr

Aachen - moms train arrivesEs ist ein trockener Donnerstag Morgen - am Abend vorher habe ich bereits die Tasche gepackt gehabt, bin noch morgens mehrfach durch die Wohnung gewirbelt und habe die passenden Bahnen zum Bahnhof Ehrenfeld bekommen. Optimistisch habe ich mir eine Kladde eingepackt die ich bald darauf im Zug mit "Offline-Blog" betitele. Ich schreibe anderthalb Seiten über die ungewohnte Pünktlichkeit der Bahn, über den Anlass der Reise und finde schon beim Schreiben meine Worte seltsam gestelzt. Weil ich -trotz Blog- zum Tagebuchschreiben einfach nicht geboren bin. Zudem aber auch weil ich am Tag den halben Tag mit meiner Freundin am Rhein in der prallen Sonne verbracht habe. "Zur Zeit bin ich allerdings etwas angematscht" steht im Offline-Blog.

Allerdings steht da auch "Viel werden wir heute wohl nicht mehr unternehmen, bis wir in der Ferienwohnung sind und uns mit Wasser eingedeckt haben wird es wohl zwei Uhr sein - und um halb sieben sind wir schon beim Bert zum Abendessen eingeladen." - Ich hätte nicht weiter daneben liegen können. Ähnlich wie auch bei dem letzten Satz nach anderthalb Seiten: "der dumme Zug wackelt zu sehr, ich schreib später weiter..." - und der Rest der Seiten blieb weiß.

She was too fast for me to take a decent cropped pictureAber der Reihe nach: Während ich wohl grade schon im Aachener Hauptbahnhof angekommen bin und zum Gleis laufe, an dem der Zug aus Krefeld ankommt, stellt meine Mutter perplex fest, dass es eine neue Haltestelle an der Schanz gibt, die in allernächster Nachbarschaft zu unserer Ferienwohnung liegt. Aber kurz darauf trifft ihr Zug auch schon im Hauptbahnhof ein, sie steigt aus - und strahlend und viel zu schnell läuft sie mir entgegen so mein Foto ein wenig verrutscht wirkt.

Mama ist verwundert. Irgendwie hat sie den Bahnhof größer in Erinnerung. Während einer kurzen Rauchpause an den Bänken vor dem Portal rufen wir die Vermieter der Wohnung an und lernen auch schon die Aachener Wespen kenen, die uns in den nächsten Tagen noch mehrfach beschäftigen werden. Mama erinnert sich von früher an das Verwaltungsgebäude direkt in der Nähe.

Weil wir die Koffer dabei haben fahren wir mit dem Taxi am Marschiertor vorbei über den Boxgraben und steigen an der Ecke Jakobsstraße aus. Die letzten Meter spazieren wir weiter bis zur Ferienwohnung und nehmen die Zimmer in Besitz. Beide sind riesig - hübsch eingerichtet und modern - und dienen uns in den nächsten Tagen eigentlich doch nur als Übernachtungsplatz.

Nachdem wir also nun die Koffer abstellen konnten gäb's da für den Tag eigentlich nur noch ein Ziel: Wasser holen. Und so beginnt die erste Reise...
3.9.09 22:12


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