... und dennoch: Eigentlich brauchte ich nur Hintergrundberieselung. Und landete beim Mittwochsfilm des ZDF. "London, Liebe, Taubenschlag klang wie die modern gebürstete Version streichzarter Danella-Unterhaltung. Und streckenweise ist es das auch.
Aber es bietet eben doch eine ausreichend schnell erzählte Geschichte im Märchengewand. Ganz so wie dargestellt wird das Leben kaum sein - ein bißchen zuviel Zufall und Extremvarianten zumindest für meinen Geschmack. Aber wenn der Prinz und der Stallbursche beide als Wahlmöglichkeiten auftauchen und plötzlich London und der Ruhrpott um die Gunst der blonden Frau buhlen, die mehr Vergangenheit besitzt, als man anfangs denkt... Überhaupt: Vergangenheit, darum geht es überhaupt. Um das Verwurzeltsein in einer Heimat und in einer Familie. Um Eltern die recht verbohrte Spinnereien entwickeln und dabei doch so ihre Gründe haben.
Dabei gibt es dezentere und wenig dezente Metaphern - und vor allem eine durchaus sehr liebevolle Kamera. Da guckt einer noch liebevoll und gestaltet Bilder statt einfach nur einzufangen. Arbeitet mit Reflektionen, Farben, Schärfen und Unschärfen, Oberflächenstrukturen und fängt überhaupt das Ruhrgebiet ganz wunderbar in seiner spröden rauhen Eigenart ein.
Das Drehbuch erstaunt dabei tatsächlich durch rechtzeitige Bremsungen bevors allzu kitschig wird. Und die Schauspieler setzen ihre Rollen großteils wunderbar um, sofern man sich an das märchenhafte Liebeskomödiensetting einmal gewöhnt hat.
Will sagen: Nicht unbedingt ganz großes Kino - aber doch ein bezaubernder Mittwochsfilm für die werktägliche Unterhaltung. Und das eigentlich recht geschlossene Ende läßt mich verwundert zurück. Denn da soll nächste Woche ja noch ein zweiter Teil laufen...
Bei der EM haben wir viele Spiele umsonst auf Großleinwand im zweitgrößten Saal gezeigt. Dazu gab es Gratistickets, damit auch jeder einen Platz abbekam. Dabei entspannen sich, wie zu erwarten, göttliche Dialoge. Vor allem, als ein Kunde sich allein anstellte und den Teamleiter vollkommen aus dem Konzept brachte
Kunde: Wieviele Tickets gibt es denn pro Person? TL: Eine. Kunde: Dann hätt' ich gern fünf.
Am Einlass, die Masse wartender Türken drängt an den Absperrkordeln entlang zur Tür. Einer diskutiert mit den Security, sieht dann mich an und ruft mir zu "Hey! Wer gewinnt heute? ... sag jetzt bloß nichts falsches." Und ich grinse zurück und rufe "Frag mich nicht. Ich bin in Sydney geboren, da hab ich mit EM nix zu tun."
Soweit so gut. Aber das hören drei Mädels direkt vor mir und sehen mich begeistert an. Die eine: "Sydney? Das ist bestimmt voll cool da, oder" Ich: "Keine Ahnung, wir sind nach Deutschland gezogen als ich ein halbes Jahr alt war." Die eine: "Aber in Sydney gibts voll viele Schlangen..." Die andere vor ihr: "Was gibts da? ... Schlampen?" Die eine (lauter): "Nein. Schlangen!" Ich: Macht nix. Kommt eh aufs selbe raus.
Solche Momente mag ich. Und nur für die Unwissenden. Ich wurde nicht in Sydney geboren.