Morris (Maurice de Bévère 1.12.1923-16.7.2001) erfand mit Lucky Luke eine der Kultfiguren des letzten Jahrhunderts. Der Cowboy, der schneller zieht als sein Schatten - und der sogar das Rauchen aufgab ist eine schnell erkennbare Figur geworden und hat zahlreiche Abenteuer erlebt, deren eigene Mischung aus Humor verschiedenster Färbung und Zitaten verschiedenster Persönlichkeiten und Ereignisse immer wieder zu Hochform auflief. Das Gute siegt zwar immer, das aber nur nach Strapazen und erstaunlichen Wendungen.
Die 'Lucky Luke Gesamtausgabe' zeigt zu jedem Abenteuer die franzöischen Originalcover im Originalformat.
1946-1950:1946, nur ein Jahr nach dem Krieg, fing alles an: Zum ersten Mal ritt ein kleiner Cowboy mit gelbem Hemd und rotem Halstuch durch die Seiten des Jahresalmanachs von "Spirou"... Das Hemd ist in den ersten Abenteuern noch kariert und die schwarze Weste fehlt, und er besitzt auch nur 4 Finger pro Hand - dafür hat er bereits den weißen Stetson auf dem Kopf und Jolly Jumper als treuen Begleiter. Und bereits hier hat sein tierischer Freund subtile menschliche Züge und hilft aktiv mit wenns sein muß. Auch schießt Lucky sehr präzise - aber noch nicht ungewöhnlich schnell...
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br-oline hat einen kurzen Test entworfen, wie gut man sich in Entenhausen auskennt. Und ich hab tatsächlich 100% geschafft - wie siehts bei euch aus? =)
Der Zeichner dieses Comics ist so alt wie ich und scheint ein ähnliches Leben wie ich gekannt zu haben (ich sage nicht, dass er es geführt hätte, da hab ich keine Ahnung von). Sein Comic spielt in einem Dorf, wie es auch am Niederrhein existiert - und da dankenswerterweise auf die Colorierung zugunsten einer dezenten Schattierung verzichtet wurde, gibt es immer wieder große Flächen, die nur leere Gärten oder Straßen zeigen und genau das Gefühl der Leere vermitteln, das der Comic für mich zu thematisieren scheint.
Immer wieder ein unbewegtes Nichts - am treffendesten in den Vorgärtenansichten, in denen jeder mehr oder minder effektiv seine Individualität durch die Gestaltung des Gartenzauns darzustellen scheint - ohne selber noch anwesend zu sein.
Das nimmt man umso besser wahr, wenn man die ersten Seiten bewußt betrachtet. Die erste Seite ist vollkommen schwarz, nur der Titel ist in Schulhandschrift ins obere linke Sechstel der Seite gequetscht, der Rest ist eintönig, wie auch die Rückseite.
Es folgt ein seitenfüllendes Bild, das aber vom Hauptdartseller nur den Arm und etwas Torso zeigt, ansonsten Schulhefte, zwei Socken, ein Rucksack ein paar Bücher und Stifte und Kopfhörer - die Bildmitte aber bleibt leer - und die Widmung "für Line" ist in minimaler Schriftgröße am unteren Bildschirmrand untergebracht. So etwas überblättert man schnell - liest man Comics aber mit ein wenig Aufmerksamkeit kann man auf entscheidende Stilmittel stoßen. (Oder eben nicht - aber das macht für mich eben die Qualität aus.)
Nach dem Titelblatt und dem ersten Kapitelblatt beginnt die Geschichte - und wir sehen die Hauptfigur, allerdings nur den Hinterkopf. Christoph Bachmann ist ein schlacksiger Schüler, eher der ruhige Typ, in der Schule nicht sonderlich erfolgreich (die 10. Klasse muß er nach den Ferien wiederholen), sein Gesicht ist flach und oftmals ausdruckslos. Dahinter aber scheint der Leser mit jeder Seite in der Leere eine tiefe Sehnsucht zu finden, verbunden mit der Angst enttäuscht zu werden - und ab und an von der eigenen Aktion überrascht.
Parallel dazu führt Bellstorf das Leben der Mutter vor, von dem der Leser mehr mitbekommt als der Sohn, - wobei der Zeichner darauf verzichtet bei den Personen in der Exposition eindeutige Motive aufzudecken.
Stattdessen immer wieder der Eindruck von Leere in jeder Hinsicht: Im Raum, in der Zeit (die Zeitsprünge sind nicht eindeutig anzugeben oder durch Platzierung der Panels auf den Seiten zu erkennen), im Miteinander (es gibt grundsätzlich keine Berührungen - um so bedeutsamer werden sie wenn sie auftreten - genau hinschauen: ab und an ist es nur ein Kiesel, der da angefasst wird...) und auch beim Rückbezug von Christoph zu sich selbst. Es gibt keine "Bewegungsstriche", wie man sie aus anderen Comics kennt - und so wirken selbst kurze Sprints nur wie Standfotos.
Aufschlußreich ist dabei auch die Textebene. Denn die Kommunikation wird hier nicht nur als Füllsel oder rein deskriptiv benutzt um "etwas zu sagen" zu haben. Hier gibt es Sätze der Mutter, die der Sohn mitbekommt, ohne dass er das ausdrücklich soll (weil sie mit der Nachbarin redet und das offene Fenster vergißt o.ä.) - und diese Sätze können weh tun. Sie sagen dem Leser etwas darüber aus, was Christoph empfindet - und stellen die Absicht der Mutter in Frage. Weiß sie es nicht, oder übersieht sie die Folgen mehr oder minder absichtlich? Und da gibt es die Momente in denen Christoph ohne es zu wollen ins Nichts zu reden scheint - er wpricht zwar auf einmal mehr als vorher - aber die Sätze scheinen das Ziel nicht zu erreichen, stoßen auf Unverständnis - und verstärken das gefühl "anders" zu sein.
Dezent aber wirkungsvoll führt Bellstorf all die kleinen Elemente einer Zehnt-Klässlertragödie zusammen, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Im Mittelpunkt der Geschichte, die verworrener, bzw. erschütternder wird, je öfter man sie liest, steht die Begegnung mit Miriam, dem Mädchen aus der Gärtnerei.
Ich kann diesen Comic sehr empfehlen. Wenn man beim Lesen plötzlich die Parallelen von Situationen bemerkt, und die jeweils besondere Art und Weise wie die Personen mit den Situationen umgehen, vor die sie gestellt werden - und eben die Wirkungen von Sätzen, die Atmosphäre dann merkt man auf einmal dass man nicht allein ist - und dass man auch anderen dieses Gefühl zugestehen muß.
Und das Schönste: Über den Titel muß man nachdenken. Und dann etwas finden, was in der Dreiteilung des Comics sehr genau berücksichtigt wird.