Charlie ist empört als er erfährt, dass Alan im Falle eines Falles seinen Sohn lieber entfernten Verwandten als seinem eigenen Bruder überlassen würde. Empört versucht er Argumente für sich selber zu finden:
"And I live right here. You wouldn't have to ship him off to ... Corn Hole, Kansas!" - "Coventry, Rhode Island" - "Who am I thinking off that lives in Kansas?" - "I don't know, Dorothy and Toto?"
Alans Vermutung bezieht sich auf klassisch-amerikanisches Allgemeingut: Der Zauberer von Oz. Direkt nach dem Wirbelwind, der sie mitsamt dem Haus ihres Onkels weggetragen hat, wacht Dorothy in einer quietschbunten Welt wieder auf und spricht die legendären Worte: "Toto - I guess we aren't in Kansas anymore."
Es war eine durchaus weise Entscheidung das für Deutschland nicht als Allgemeinbildung vorauszusetzen. Nicht nur, dass die spezielle Zeile nicht erinnert würde - die wenigsten würden wohl die Namen eindeutig mit dem Film assoziieren.
Und somit ist die deutsche Fassung durchaus gelungen:
"Und ich wohne hier. Und Du brauchst ihn nicht zu verschicken nach ... Goodno, Florida!" - "Coventry, Rhode Island" - "An wen hab ich gedacht, der in Florida wohnt?" - "Keine Ahnung, Daisy und Donald?"
Amüsanter Witz im Verdeckten: "Goodno" existiert tatsächlich und ist eine Geisterstadt. Da hat der Übersetzer tatsächlich noch etwas Energie reingesteckt.
Und interessanterweise finde ich zwei deutsche Untertitelspuren, die direkt aus dem Englischen übersetzen - aber keine mit dem Text der deutschen Tonspur.
Joey bringt seine jüngste Schwester Dina zu Rachel ins Büro, weil er noch glaubt, sie bräuchte den Rat einer Frau aus dem Fashionbetrieb.
Er stellt sie vor, versucht einen elegant-gönnerischen Abgang und sagt:
"Well, I'll let you two fash...ists get down to business."
Der Witz funktioniert im Original, weil Joey meist als dümmlicher aber liebenswerter Sidekick fungiert. Und garantiert keine Ahnung hat was Faschisten wirklich sind.
Die deutsche Synchro ist da so überhaupt nicht mutig: "Na gut, ich werde euch zwei Kleiderständer jetzt alleine lassen."
Das verpasst erneut jede Chance auf eine zweideutige Ebene. Hätte man in den sechs Minuten zuvor ein paarmal das Wort "Fashion" eingebaut (wie es im Original geschieht) - der Witz würde aufgehen.
So aber ist es nicht viel mehr als eine recht billige Bildassoziation, die aber eben nur eindimensional bleibt. Denn das ein Wort ein wenig ungewöhnlich in einem Satz klingt macht es noch lange nicht lustig.
Chandler hat ein Vorstellungsgespräch. Um einen möglichst positiven Eindruck zu hinterlassen hat er extra mit Phoeebe geprobt, keinen Anlaß für dumme Witze zu nutzen.
Und nun sitzt er da. Und sein Gegenüber fragt zuerst was er bisher gemacht hat. Alles läuft gut. Und dann kommt der Satz, der ihn fordert:
"Now let's talk about your duties." Nur 'leider' im Slang. Und da hört man eher "doodies". Und das hat mit Pflichten leider gar nichts zu tun sondern ist eher ein umgangssprachlicher Ausdruck für Würstchen, die die Verdauung bereits hinter sich haben.
Zweimal fällt der Satz und Chandler bemüht sich die Contenance zu behalten. Und hört dann den entscheidenden Satz: "But there'll be 30 People under you so you can sump a certain amount on them."
Ob das für jeden witzig ist, das sei einmal dahingestellt. Tatsächlich ist es -meiner Meinung nach-aber aus zwei Gründen komisch: Einerseits ist das Bild im Kontext einer Bewerbung auf den Posten eines leitenden Angestellten nicht gänzlich unpassend, andererseits ist es ein größtdenkbarer Gegensatz zum bemühten Ernst der Situation.
Was macht nun aber die deutsche Synchronisation draus? "Und nun wollen wir über Ihre Aufgaben reden". Und es folgt Konservengelächter - ohne erkennbaren Grund. Und weiter: "Sie haben so 30 Mitarbeiter und auf die können Sie eine Menge Aufgaben verteilen." Erneutes Büchsenscheppern.
Somit wird aus einem in sich durchaus stimmigen Gag in der deutschen Fassung eine reine Nonsensenummer. Umso verheeredender noch, als im Nachgespräch zwischen Tür und Angel im Englischen Chandler sich nicht verkneifen kann, das Mißverständnis anzudeuten. Im Deutschen wird einfach wörtlich übersetzt und die Andeutung "poo" für "Scheiße" mit "Puh!" ersetzt. Das ist zwar unschlagbar lippensynchron - aber komisch ist da gar nichts mehr.
Mindestens eine brauchbare Lösung hätte es übrigens gegeben. Zwar nicht ganz so elegant wie im Englischen. Aber mit dem Begriff "Geschäft" hätte man wenigstens halbwegs ähnlich herumspielen können...
"My father's family name being Pirrip, and my Christian name Philip, my infant tongue could make of both names nothing longer or more explicit than Pip. So, I called myself Pip, and came to be called Pip." [Charles Dickens, Große Erwartungen]
Die Hauptfigur ist Pip, Waise aus ärmlichen Arbeiterverhältnissen, der bei seiner Schwester und deren Mann Joe, einem Dorfschmied, lebt.
Die Geschichte beginnt an einem stürmischen Tag, als der junge Pip gerade Blumen auf das Grab seiner Eltern legt. Ein entflohener Sträfling bedroht ihn und zwingt ihn, ihm etwas zu essen zu besorgen. So wird er unfreiwillig selber zum Dieb - um sein eigenes Leben zu retten. Später wird der Häftling von der Polizei aufgegriffen und gesteht einen Diebstahl in der Schmiede um den jungen Pip vor Bestrafung zu bewahren.
Ein Jahr später erhält Pip ein sonderbares Privileg. Miss Havisham, eine reiche Frau, die in einem alten Schloß lebt, wünscht dass er regelmäßig zu Besuch kommt. Dort trifft er auf die undurchschaubare Estelle, und auf den gleichalten Herbert Pocket bei Miss Havisham kennen. Der ist zwar reicher - aber buchstäblich weniger schlagfertig. Beide Frauen im Schloß sind von Geheimnissen umgeben. Die exzentrisch wirkende Miss Havisham versteckt sich seit Jahren vor der Sonne und der Zeit. Und verändert seit ihrem traumatischen Erlebnis nichts mehr in ihren Zimmern. Spinnweben und Mäuse tun das ihre. - Aber sie möchte unbedingt einen Jungen sehen, der spielt. Estelle ist für Pip zugleich hochnäsig, hübsch und ungezogen. Und somit zugleich abstoßend und anziehend zugleich. Und somit ein Grund "ein Gentleman" werden zu wollen. Aber sie hat kein Herz, wie sie selber sagt - und mag keine eigenen Pläne, sondern genießt es ihr Leben geplant zu bekommen.
Als Pip vierzehn wird muß er seine Besuche beenden, da er seine Ausbildung zum Schmied beginnt. Und auch Estelle verschwindet und zieht nach Paris. Aber dann taucht plötzlich Mr. Jagger, der Anwalt von Miss Havisham, in der Schmiede Joe auf. Und informiert Pip, dass er nun ein reicher Erbe ist, der schon vor dem Tod seines Gönners ein reicher Mann und Gentleman werden soll. Binnen einer Woche soll er nach London reisen um dort sich bilden zu können. Und sein ganzes Leben verändert sich - unter einer doppelten Bedingung: Er darf mit niemandem über diese Erbschaft sprechen - und sein Gönner muß unbekannt bleiben - und Pip darf seinen Namen nie verändern.
Dieser frühe Film von David Lean - und zugleich die allererste Sprechrolle für Sir Alec Guinness fiel mir vor einigen Monaten zum ersten Mal ind ie Finger. Freudig überrascht stellte ich fest, dass er für sein Alter recht gut erhalten - und durchaus sehenswert war. - Die Kamera fängt gerade in den Außenszenen wunderbare Bilder ein - Schlagschatten, Hell-Dunkel-Kontraste. Die Stadtszenen scheinen dagegen ein wenig zu verblassen. In jedem Fall ist hier ein Schwarzweißfilm kongenial genutzt worden und verstärkt mit bewuter Symbolik die Szenen.
Die Synchronsprecher sind allerdings etwas unerwartet. Den Sträfling, den Anwalt und diverse Nebenrollen spricht wohl Friedrich Schütter ("Ben Cartwright"), den Ehemann von Pips Schwester spricht Edgar Ott (aka Benjamin Blümchen) und Claus Jurichs (Terrence Hill in Winnetou II) spricht den erwachsenen Pip.
Allerdings zog der Film sich beim ersten Betachten durchaus ein wenig hin (Lean liebt und beherrscht die großen Bögen) - bis ich den richtigen Schlüssel fand: Denn hier geht es um Familien - und in vielschichtigster Weise um mögliche Vererbungen. (Der englische Originaltitel ist dabei mehrdeutiger noch als die "geheimnisvolle Erbschaft" im deutschen. Wer hat da an wen "große Erwartungen"?) Und es geht um das Aufwachsen, Erwachsenwerden - was eben auch mit dem Suchen einer eigenen Heimat verbunden ist.
Im Lauf des Films wird Pip verschiedenstes herausfinden, was seine bisherigen Grundannahmen über den Haufen wirft. Der Kulturschock eines Dorfkindes das in die Stadt kommt, aber auch die Rückkehr eines später tatsächlichen Gentlemans in die alte Umgebung sind filmisch wunderbar umgesetzt. Wenn sein Ziehvater ihn in der Stadt besucht, und zugleich liebevoll wie peinlich ist, wirkt das nach, sofern man solche Momente selber kent. Und der Moment in dem sein Gönner ihn tatsächlich aufsucht und verblüfft - und die spezielle Beziehung, die sich zu ihm herstellt, berührt auch nach 64 Jahren noch.
Immer wieder trifft Pip auch gerade auf die Störmomente eines vermeintlich perfekten Lebens: Da ist die Totenmaske eines Gehängten, der als größter Klient desjenigen Anwalts in Würde gehalten wird, der sich auch um Pip kümmert. Da ist die klemmende Wohnungstür der Wohngemeinschaft die er mit dem wiederentdeckten Herbert Pockett teilt. Da ist sein väterlicher Freund, der Schmied Joe, der ihn in fremd wirkendem Frack besucht und dessen Zylinder immer wieder vom Kaminsims fällt. Lassen sich diese Störungen vermeiden? Oder sind sie notwendige Teile des Lebens? Pip jedenfalls beginnt ab einem bestimmten Moment aktiv zu werden und sein Leben selber in die Hand zu nehmen - auch wenn er dabei Katastrophen nicht verhindern kann. Und somit kommt es zu (mindestens) zwei Befreiungsschlägen von Pip in den Momenten, als er tatsächlich etwas begreift und Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt. Und besonders der letzte ist eindringlich und knapp umgesetzt - und trifft.
Im Hintergrund stehen erstaunlich moderne Fragen: Wer bin ich? Was macht mich zu dem, wer ich bin? Ist Pip ein Dieb, wenn er Schweinepastete stielt, weil ihn ein anderer erpresst? Und andersherum: Gibt es Menschen, die man verhungern lassen darf? Wer wird er, wenn er ohne Eltern aufwächst? Wieweit beeinflußt ihn die mysteriöse große Erbschaft - macht sie ihn zu jemand anderem? Wird das Kind eines Verbrechers selber einer? Wo gehört er selber hin - wo gehören andere Menschen hin - und beinflußen diese Zuordnungen seine Beziehungen? Macht sein neuer Status als reicher "Erbe" ihn unfähig, die Einfachheit seiner Heimat zu akzeptieren? Und später dann auch die Frage nach Würde und Verantwortung, nach Dank und Pflicht. Denn diese, so die deutliche Botschaft der Geschichte, machen einen Menschen erst zu einem ebensolchen - und sind gänzlich unabhängig von Status und Geburtststand des Einzelnen.
Ohne den tatsächlichen Clou des Films verraten zu wollen: Das ist zentral: Das Kind eines Sträflings ist nicht dazu verdammt selber ein Verbrecher zu werden, stattdessen sind die tatsächlich "gelernten" Muster allemal stärker als genetische Vorherbestimmungen. Und jede Beziehung besteht nur dann, wenn sie in ihrer Rolle erfüllt wird. So kann ein Vater eben auch ein nichtleiblicher sein, sondern jemand der sich wie ein solcher um einen kümmert. Allerdings kann das Wissen um eine 'belastete' Abstammung trotzem dazu führen, dass der Nachfahre (aus falschen Gründen) an diese "Erbschaft" glaubt - und somit eine Katastrophe herbeiführt, die nicht in der Natur selber liegt. Es ist somit der Glaube an die Zuschreibungen, nicht die Realität selber, die uns richtet oder aufhebt.
Mit dreizehn ist er zum ersten Mal von zu Hause weggerannt er wollte nach London und später nach Paris das waren komische Gefühle als er nachts an der Straße stand den Schlafsack unterm Arm und dreißig Mark in der Hand Er rauchte viele Zigaretten und dann wurd' es wieder heller und morgens um sieben hatten sie ihn sein Alter war leider schneller [Udo Lindenberg, Er wollte nach London]
Uwes Vater ist arbeitslos und hängt angetrunken vor dem Fernseher. Seine Mutter arbeitet. Und Uwe (Uwe Bohm) lebt in Jeansstoff mit Aufnähern in Hamburg-Wilhelmsburg, knackt Automaten. Zusammen mit seiner Clique ziehen sie über andere her. Zum Beispiel über Dschingis (Dschingis Bowakow). Der ist Asiate, steht auf Martial Arts, hat eine ängstliche Mutter und ein Rennrad.
Es sind dies die Achtziger - und wer sie erlebt hat wird sich vielleicht ein wenig erinnert fühlen: Da trug man farblich seltsame Pyjamas, oder Parka, da spielte man noch (unfreiwillig) näher an der Natur und da waren 'Ausländer' noch wirklich auffällige Wesen in Deutschland. Aber vieles gilt auch bis heute: Da muß man sich vor anderen beweisen - da gibt es Mädels, von denen man nichtmals weiß, warum man um sie kämpfen würde, da hängt man zwischen den Erwartungshaltungen der stärkeren Erwachsenen und den eigenen Träumen und Sehnsüchten.
Der Film zeugt von tiefer Gemeinschaftsarbeit und großem Vertrauen. Da fliegen die Fäuste, da wird wüst beschimpft - und manche Szene hinterläßt ein unangenehmes Gefühl von Realität. Zwar mag man in manchen Momenten einen Hauch der 80er-Jahre-Pädagogik verspüren, zuvorderst aber zeichnet den Film ein bittersüßer Realismus aus. Die Jugendbande spricht in breitem Hamburger Schnodderdeutsch, prügelt sich in (unübertrieben: ) westernreifen Szenen, die Familienverhältnisse sind nüchtern abgefilmt und die Musik hält sich dezent zurück. Und wenn da Dschingis und seine Mutter auf dem Boden kriechend nach einem Fahradventil suchen, und die umstehenden Kinder diskutieren, ob man mit "Schlitzaugen" überhaupt sehen kann, oder wenn eine Schülerin an einer Tür Schmiere steht und von einem anderen gefragt wird, ob sie anschafft, oder wenn der Familienvater mit bloßer Faust zuschlägt - dann bleibt einem erstmal die Spucke weg. Weil es undramatisch inszeniert ist - die Schauspieler uneitel - und die Geschichte echt.
Jedem der Charaktere gestattet Bohm dabei eine eigene kleine Geschichte in Form einer Umgebung und einer Sprache. Sicher, auch hier ist "in die Fresse" ein Kraftausdruck - aber er atmet ein Gefühl, eine Wut - die dem Zuschauer nachvollziehbar ist und nicht nur dekoratives Symbol einer aggressiven Jugendkultur (die man manchmal bezweifeln möchte). Und die Kamera fängt immer wieder kleine Bilder ein, die von Freiheit erzählen - etwa wenn Brücken geöffnet werden - oder Schiffe vom Stapel laufen - aber auch von Macht und Enge, von provisorischem Leben im schmutzigen, das einen höheren Anspruch besitzt, als die Wirklichkeit bestätigen würde.
Bohms Pädagogik lebt vom Begriff der Freiheit, und ist konsequenterweise eine solche des Hinschauens - und überläßt das Beurteilen dem Zuschauer. Das macht die Geschichte dann tatsächlich spannend, wenn man eben nicht vorhersagen kann, was nun die moralisch vertretbare Wendung wäre.
Wie dann ausgerechnet die zwei Widersacher zusammen auf der Elbe landen - und unausgesprochen beide den Wunsch haben aus ihrem Leben abzuhauen - der eine auf der Flucht vor einem prügelnden Vater, der andere vor einer übervorsichtigen Mutter - das ist beinahe schon ein Jugendmythos. Der von Lindenbergs Musik passend umgesetzt wird. Und spätestens wenn Schüsse fallen merkt man eines: Das ist hier kein Märchen, auch kein modernes. Das ist ein Film, der zutiefst in der Realität ankert.